In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird das Herz als der „Kaiser“ aller Organe betrachtet. Es ist nicht nur für die Blutzirkulation verantwortlich, sondern gilt auch als Sitz des Shen – des Geistes, des Bewusstseins und der Seele. Das Herz gehört zur Wandlungsphase Feuer und wird dem Sommer, der Hitze und der Emotion Freude zugeordnet.
Die Funktionen des Herzens in der TCM
Das Herz erfüllt nach TCM-Verständnis mehrere zentrale Aufgaben. Zunächst regiert es über das Blut und die Blutgefäße – es kontrolliert den Herzschlag, die Blutzirkulation und die Verteilung von Nährstoffen im gesamten Körper.
Die bedeutendere Rolle des Herzens liegt jedoch in seiner Funktion als Behausung des Shen. Der Shen umfasst laut TCM:
● Bewusstsein und klaren Verstand
● Emotionale Stabilität und Lebensfreude
● Gedächtnis und Konzentrationsfähigkeit
● Schlaf und innere Ruhe
● Persönlichkeit und Ausstrahlung
Ein harmonisches Herz-Qi zeigt sich in klaren Augen, rosarotener Gesichtsfarbe, emotionaler Balance und lebendiger Persönlichkeit.
Das Herz öffnet sich in die Zunge
Nach TCM-Verständnis „öffnet sich das Herz in die Zunge“. Dies bedeutet, dass die Zungenoberfläche den Zustand des Herzens widerspiegelt. Eine rote Zunge kann auf Herz-Hitze hindeuten, während eine blasse Zunge für Herz-Blut-Mangel sprechen kann.
Darüber hinaus ist eine klare und harmonische Sprache ein Zeichen eines starken Herzens. Der Shen manifestiert sich auch im sprachlichen Ausdruck – Stottern oder Sprachschwierigkeiten können auf Herz-Disharmonien hinweisen.
Die emotionale Dimension: Freude und innere Ruhe
Die dem Herzen zugeordnete Emotion ist die Freude – allerdings verstanden als Balance zwischen Freude und innerer Ruhe. Eine übermäßige oder künstliche Stimulation (wie ständige Reizüberflutung) kann das Herz-Qi fragmentieren und zu innerer Unruhe führen.
Das Herz wird auch als Zentrum der emotionalen Balance betrachtet. Wenn das Herz stark und mit ausreichend Blut versorgt ist, kann es die Shen beruhigen, was zu emotionaler Stabilität, Zufriedenheit und innerer Ruhe führt.
Herz-Qi-Mangel und seine Auswirkungen
Ein Mangel an Herz-Qi kann sich nach TCM-Sicht zeigen durch:
● Herzklopfen oder Palpitationen
● Schlafstörungen, insbesondere Schwierigkeiten beim Einschlafen
● Nervosität und innere Unruhe
● Schwache Konzentration und Gedächtnisprobleme
● Angstgefühle oder emotionale Instabilität
● Blässe und allgemeine Schwäche
Herz-Blut-Mangel
Ein Mangel an Herz-Blut, das die Grundlage für die Ernährung und Ankerhaftung des Shen ist, führt nach TCM-Verständnis zu ähnlichen Symptomen, wird aber oft mit größerer Müdigkeit und Blässe begleitet.
Die Verbindung zu anderen Organen
Das Herz arbeitet eng mit mehreren anderen Organen zusammen. Seine wichtigsten Partnerschaften sind:
● Niere: Herz und Niere müssen in Balance sein, damit Shen sich ruhig und geerdet anfühlt
● Milz: Die Milz produziert das Blut, das das Herz zum Nähren des Shen benötigt
● Lunge: Zusammen regulieren Herz und Lunge das Wei-Qi und die Abwehr
● Dünndarm: Sein Yang-Partnerorgan, mit dem es Trennungsaufgaben durchführt
Die spirituelle Bedeutung
In der TCM gilt das Herz als spirituelles Zentrum. Ein offenes, ausgeglichenes Herz symbolisiert:
● Verbindung zur eigenen inneren Weisheit
● Fähigkeit zu Mitgefühl und Liebe
● Authentischer Selbstausdruck
● Innerer Frieden und Lebenssinn
Lebensstil zur Stärkung des Herzens
Um das Herz nach TCM-Ansicht zu pflegen, werden empfohlen:
● Ausreichend Schlaf und Ruhe, besonders vor Mitternacht
● Moderate, freudevolle Aktivitäten statt Überreizung
● Warme, nährende Ernährung mit blutnährenden Lebensmitteln (rote Beeren, Datteln, Goji-Beeren, Nüsse)
● Emotionale Balance durch Achtsamkeit und Meditation
● Bewusste, tiefe Atmung zur Beruhigung des Geistes
●Reduzierung von Koffein und anregenden Substanzen
Fazit
Das Herz in der TCM verkörpert weit mehr als nur ein physisches Organ – es ist der Sitz der Seele, des Geistes und der Emotionen. Ein starkes, harmonisches Herz-Qi ist die Grundlage für emotionale Stabilität, klares Denken, erholsamen Schlaf und Lebensfreude. Eine achtsame Lebensweise, regelmäßige Ruhe und eine nährende Ernährung unterstützen nach TCM-Verständnis diese zentrale Organ-Kraft.
