Der Dickdarm ist in der Traditionellen Chinesischen Medizin das Yang-Organ der Lunge und gehört zur Wandlungsphase Metall. Während die Lunge für das Aufnehmen und den Rhythmus steht, verkörpert der Dickdarm die Fähigkeit des bewussten Loslassens – auf allen Ebenen: physisch, emotional und energetisch.
Lunge und Dickdarm bilden nach TCM ein Yin-Yang-Paar mit der Devise: „Ohne die Fähigkeit abzugeben, kann nichts Neues aufgenommen werden.“
Die physische Funktion: Ausscheidung und Wasserstoffwechsel
Der Dickdarm empfängt die Reste der verdauten Nahrung aus dem Dünndarm und erfüllt mehrere zentrale Funktionen:
Wasseraufnahme:
Der Dickdarm entzieht dem Nahrungsbrei Wasser und Elektrolyte, die wieder vom Körper aufgenommen werden. Diese Funktion reguliert den Flüssigkeitshaushalt und die Balance im Körper.
Ausscheidung von Abfallstoffen:
Der Dickdarm formt die Abfallstoffe zu Stuhl und scheidet diese aus dem Körper aus. Dies ist fundamental – wenn Abfallstoffe nicht effektiv ausgeschieden werden, können sie sich ansammeln und Giftstoffe im Körper zurückgehalten werden.
Darmflora und Darmgesundheit:
Der Dickdarm beherbergt die wichtige Darmflora, die an Verdauung, Immunfunktion und sogar mentaler Gesundheit beteiligt ist.
Die Beziehung zwischen Lunge und Dickdarm
Lunge und Dickdarm sind energetisch untrennbar verbunden:
● Die Lunge (Yin): Empfängt, aufnehmend, inspirierend
● Der Dickdarm (Yang): Gibt ab, ausscheidend, triebhaft
Ein schwaches Lungen-Qi führt zu einem schwachen Dickdarm-Qi – der Stuhl bleibt stecken, wird hart und ist schwer abzusetzen. Umgekehrt kann ein starker Dünndarm-Fluss die Lunge unterstützen.
Die emotionale Dimension: Loslassen und Trauer
Der Dickdarm wird mit der Emotion des Loslassens verbunden, die eng mit Trauer zusammenhängt. Trauer ist ein natürlicher Prozess – wir müssen alte Gefühle, Verletzungen und Erlebnisse loslassen, um Raum für Neues zu schaffen.
Wenn der Dickdarm energetisch blockiert ist, kann dies auf emotionales Festhalten hinweisen:
● Festhalten an alten Verletzungen und Groll
● Schwierigkeit, Trauer vollständig zu trauern
● Angst vor Veränderung und dem Unbekannten
● Widerstand gegen natürliche Übergänge im Leben
Dies kann sich sowohl in emotionalen Symptomen als auch in physischer Verstopfung manifestieren.
Der Dickdarmmeridian
Der Dickdarmmeridian beginnt an der Seite des Zeigefingers und verläuft über die Vorderseite des Arms zur Schulter, zum Nacken und endet neben der Nase. Ein besonders wichtiger Punkt ist:
Dickdarm 4 (Hegu/Großes Gelenk): Einer der meistverwendeten Punkte in der TCM. Er öffnet den Meridian, fördert die Ausscheidung und wirkt regulierend auf den ganzen Körper. Er wird auch als der Punkt beschrieben, der die Seele berührt.
Dickdarm-Qi-Mangel
Ein Mangel an Dickdarm-Qi manifestiert sich nach TCM-Sicht in:
● Trägheit des Darmtransits, Verstopfung
● Schwer zu setzender, trockener Stuhl
● Abgespannte Bauchdecke
● Ungeduld oder Unruhe beim Stuhlgang
● Allgemeine Trägheit und Energiemangel
● Schwierigkeiten beim Loslassen von emotionalen Altlasten
Dickdarm-Hitze
Im Gegensatz dazu zeigt sich Dickdarm-Hitze in:
● Durchfall
● Dunkler, konzentrierter Urin
● Durst
● Bauchschmerzen und Bauchkrämpfe
● Innere Unruhe und Überreaktivität
● Hautentzündungen und Akne (da Toxine über die Haut ausgeschieden werden)
Die Verbindung zur Hautgesundheit
Eine besondere Verbindung besteht zwischen Dickdarm und Hautgesundheit. Der Dickdarm kontrolliert die Ausscheidung von Abfallstoffen – wenn dies nicht effektiv funktioniert, werden Giftstoffe über die Haut ausgeschieden, was zu Akne, Ekzemen und anderen Hautproblemen führen kann.
Der Dickdarm und das Loslassen auf allen Ebenen
Sinnbildlich steht der Dickdarm für das Loslassen:
● Physisch: Loslassen von Abfallstoffen
● Emotional: Loslassen von alten Gefühlen, Verletzungen und Groll
● Mental: Loslassen von überholten Gedankenmustern und Überzeugungen
● Spirituell: Loslassen von Illusion und dem Festhalten an einer veralteten Identität
Ein blockierter Dickdarm kann daher oft auf ein tieferes Festhalten in einer oder mehreren dieser Bereiche hinweisen.
Lebensstil zur Stärkung des Dickdarms
Um den Dickdarm nach TCM-Ansicht zu unterstützen, werden empfohlen:
Ernährung:
● Ballaststoffreiche Lebensmittel (Vollkorngetreide, Gemüse, Hülsenfrüchte)
● Ausreichend Wasser und warme Getränke
● Scharfe Gewürze zur Stimulation des Flusses (Ingwer, Schwarzer Pfeffer)
● Öle und Fette zur Schmierung des Darmtrakts (Olivenöl, Sesamöl)
Vermeidungen:
● Zu viele kalte, rohe Speisen
● Übermaß an Fleisch und schwer Verdaulichem
● Dehydrierung
Lebensstil:
● Regelmäßige Toilettenzeiten etablieren
● Ausreichend Zeit für Stuhlgang nehmen (nicht gehetzt)
● Ausreichend Bewegung und Aktivität
● Entspannung vor dem Stuhlgang
Emotionale Pflege:
● Aktive Verarbeitung von Trauer und Verlust
● Loslassen von altem Groll durch Vergebung
● Akzeptanz von natürlichen Veränderungen im Leben
● Ausdruckstechniken wie Journaling oder künstlerische Tätigkeiten
Körperliche Maßnahmen:
● Bauchmassage im Uhrzeigersinn (folgt der Dickdarmverlauf)
● Akupressur auf Dickdarm 4 (Hegu) zur Öffnung des Meridians
● Sanfte, regelmäßige Bewegung wie Spaziergang
Der Zeitpunkt nach der Organuhr
Nach der TCM-Organuhr ist der Dickdarm zwischen 5:00 und 7:00 Uhr morgens am aktivsten. Dies ist ideal für einen ausgiebigen Toilettenbesuch, um den natürlichen Rhythmus des Körpers zu unterstützen.
Fazit
Der Dickdarm ist nach TCM-Verständnis nicht nur ein Ausscheidungsorgan, sondern ein zentrales System für das Loslassen auf allen Lebensebenen. Ein starker, harmonischer Dickdarm, unterstützt durch regelmäßige Bewegung, ballaststoffreiche Ernährung und bewusste emotionale Verarbeitung, ist die Grundlage für Darmgesundheit, Hautklarheit und innere Freiheit.
