In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird die Milz als das zentrale Verdauungsorgan und das Herzstück der Nährstoffumwandlung betrachtet. Sie wird oft als der „Müller“ bezeichnet, da sie Nahrung aufbereitet und in verwertbare Energie – das sogenannte Gu-Qi – umwandelt. Die Milz gehört zur Wandlungsphase Erde, wird dem Spätsommer zugeordnet und steht mit der Emotion Sorge und dem Klima Feuchtigkeit in Verbindung.
Anmerkung: Der TCM-Begriff „Milz“ bezieht sich nicht ausschließlich auf das anatomische Organ, sondern auf ein funktionelles System, das auch Verdauungs- und Stoffwechselfunktionen umfasst.
Die Grundfunktion: Transformation und Transport
Die Milz erfüllt nach TCM-Verständnis zwei zentrale Aufgaben:
Transformation (Hua): Die Milz nimmt Nahrung auf und wandelt sie durch Verdauung in ihre Essenz um. Diese Nahrungsessenz wird dann in Gu-Qi (Ernährungs-Qi) und – zusammen mit Atemluft-Qi – in zirkulierbares Qi umgewandelt.
Transport (Yun): Die Milz verteilt die gewonnene Energie und Nährstoffe im gesamten Körper und versorgt damit alle Organe und Gewebe.
Dieser Transformations- und Transportprozess ist essentiell: Ohne eine starke Milzfunktion können nicht einmal hochwertige Lebensmittel in Energie und Blut umgewandelt werden.
Qi- und Blutproduktion
Die Milz ist nach TCM-Verständnis der Hauptproduzent von Qi und Blut im Körper. Sie arbeitet dabei eng mit dem Magen (ihrem Yang-Partnerorgan) zusammen:
● Der Magen nimmt Nahrung auf und verdaut sie in einen breiigen Zustand
● Die Milz extrahiert daraus die wertvollen Nährstoffe und leitet die Essenz weiter
● Die Milz produziert das Qi, das für alle Lebensaktivitäten benötigt wird
● Die Milz beteiligt sich an der Blutproduktion, die durch die Leber gespeichert wird
Ein Milz-Qi-Mangel führt daher oft zu allgemeiner Müdigkeit, Schwäche und unzureichendem Blut-Qi.
Kontrolle von Flüssigkeiten und Verhinderung von Feuchtigkeit
Die Milz regelt auch den Wasserstoffwechsel des Körpers. Sie verdampft aufgenommene Flüssigkeiten und verteilt diese als feine, befeuchtende Feuchtigkeit durch den Körper.
Wenn die Milz-Yang schwach ist, kann sie diese Verdampfung nicht effizient durchführen – es sammeln sich pathogene Feuchtigkeit und Schleim an. Dies kann zu Symptomen wie Schwere, Ödembildung, Verdauungsbeschwerden und Übergewicht führen.
Die emotionale Dimension: Sorge und Überdenken
Die der Milz zugeordnete Emotion ist Sorge – besonders das Grübeln und Überdenken. Chronische Besorgnis und mentale Überanstrengung können das Milz-Qi fragmentieren und schwächen.
Paradoxerweise reguliert eine starke Milz auch das Intellekt- und Denkvermögen. Ein gut funktionierendes Milz-Qi führt zu klarem Verstand, guter Konzentration und konstruktivem Denken.
Die Kontrolle über Muskelkraft und Gliedmaßen
Nach TCM-Verständnis kontrolliert die Milz die Muskeln und die Kraft der vier Gliedmaßen. Eine schwache Milz kann sich daher in Muskelschwäche und Schwere der Glieder zeigen.
Milz-Qi-Mangel
Ein Mangel an Milz-Qi manifestiert sich nach TCM-Sicht typischerweise in:
● Müdigkeit und Schwäche
● Verdauungsbeschwerden: lockerer Stuhl, Blähungen, Völlegefühl
● Appetitlosigkeit
● Gewichtszunahme oder Übergewicht
● Ödeme oder geschwollene Glieder
● Blasse Gesichtsfarbe
● Sänftige Oberfläche oder „schwammiges“ Aussehen
Milz-Feuchtigkeit
Wenn Feuchtigkeit im Milz-System stagniert, entstehen nach TCM-Verständnis zusätzliche Symptome wie Trägheit, Schweregefühl, trüber Urin, Übelkeit und Gewichtszunahme.
Die Bedeutung für Immunfunktion
In der modernen TCM wird die Milzfunktion auch mit Aspekten der Immunfunktion verbunden. Das Milz-Qi trägt zu einer stabilen, körpereigenen Abwehr bei.
Lebensstil zur Stärkung der Milz
Um die Milz nach TCM-Ansicht zu unterstützen, werden empfohlen: ●Ernährung: Warme, leicht verdauliche Lebensmittel; süßliche Getreide wie Reis, Hafer, Mais; gelbes/oranges Gemüse (Karotten, Kürbis); regelmäßige, ruhige Mahlzeiten
● Verdauung: Langsames Kauen, ausreichend Zeit beim Essen, keine kalten Getränke zu den Mahlzeiten
● Lebensstil: Ausreichend Ruhe, Vermeidung von Überdenken und Besorgnis
● Bewegung: Sanfte, regelmäßige Aktivitäten wie Spaziergang oder Tai Chi
● Prävention: Vermeidung von übermäßiger Nässe, feuchter Umgebung und schwer verdaulichen Lebensmitteln
Fazit
Die Milz ist nach TCM-Verständnis das Zentrum der Verdauung und Energieproduktion. Sie transformiert das, was wir essen, in das Qi und Blut, die unser Leben ermöglichen. Eine starke Milz ist daher fundamental für Vitalität, Kraft und Wohlbefinden. Durch achtsame Ernährung, regelmäßige Ruhe und emotionale Balance wird die Milz in ihrer lebenswichtigen Arbeit unterstützt.
