Echte Erkältung versus falsche Erkältung in der TCM

Das paradoxe Phänomen der falschen Kälte

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) gibt es ein faszinierendes Phänomen: einen Körper, der sich kalt anfühlt, aber innerlich vor Hitze brennt. Dies wird als „falsche Kälte“ bezeichnet, im Gegensatz zur „wahren Kälte“, bei der tatsächlich ein Wärmemangel im Körper vorliegt.

Wahre Kälte: Ein echter Yang-Mangel

Echte Kälte geht mit einem grundlegenden Mangel an wärmender Energie im Körper einher. Menschen mit dieser Konstitution frieren ständig, suchen aktiv Wärme, haben kalte Hände und Füße, einen blassen Teint und einen langsamen Stoffwechsel. Ihr Stuhl ist oft dünnflüssig und wässrig, und sie urinieren häufig mit klarem Urin. Warme Getränke und Speisen lindern ihre Symptome deutlich.

Bei starker Kälte ist die Zunge typischerweise blass, geschwollen und mit einem dünnen weißen Belag bedeckt. Der Puls fühlt sich tief, schwach und langsam an. Dies sind alles Anzeichen dafür, dass der Körper Schwierigkeiten hat, sich von innen heraus zu erwärmen.

Falsche Kälte: Hitze im Gewand der Verwandlung

Falsche Kälte hingegen entsteht, wenn extreme innere Hitze die Durchblutung nach außen blockiert. Die Wärme ist sozusagen tief im Körper eingeschlossen, während sich die Oberfläche kalt anfühlt. Dies wird in der chinesischen Terminologie auch als „Zhen Han Jia Re“ bezeichnet.

Jemand mit einer Scheinkälte hat zwar kalte Extremitäten, verspürt aber gleichzeitig ein Brennen in Brust oder Bauch, Durst auf kalte Getränke, eine gerötete oder dunkle Haut und Verstopfung mit hartem, trockenem Stuhl. Paradoxerweise fühlen sich Betroffene trotz kalter Hände und Füße bei Wärme schlechter und bei Kälte besser.

Die Zunge verrät das Geheimnis: Sie ist oft rot oder dunkelrot mit einem dicken gelben Belag. Der Puls kann tief sein (weil die Hitze eingedrungen ist), fühlt sich aber voll und kräftig an, nicht schwach.

Praktische Anerkennung

Der entscheidende Unterschied liegt in der Reaktion auf Hitze und Kälte. Jemand, der tatsächlich friert, sucht ständig Decken, warme Getränke und Sonnenschein und fühlt sich dadurch besser. Jemand mit einer falschen Färbung hingegen wird bei zu viel Hitze unruhig, bevorzugt kühles Wasser trotz kalter Hände und fühlt sich innerlich überhitzt.

Ein weiteres Indiz ist der mentale Zustand: Wahre Kälte geht mit Apathie, Teilnahmslosigkeit und Rückzugstendenzen einher. Scheinbare Kälte äußert sich oft in Unruhe, Reizbarkeit und dem Gefühl, gehetzt zu sein.

Therapeutische Implikationen

Diese Unterscheidung ist für die richtige Vorgehensweise unerlässlich. Echte Kälte erfordert Wärme – man denke an wärmende Kräuter und Speisen, die die Yang-Energie stärken. Falsche Kälte hingegen erfordert Wärme, die verheerende Folgen haben kann: Sie würde die gestaute Hitze nur noch verschlimmern. Hier sind Kühlung und das Lösen von Blockaden notwendig, damit die Hitze entweichen kann.

Dies verdeutlicht ein Grundprinzip der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM): Man sollte nicht allein nach den Symptomen behandeln, sondern das zugrunde liegende Muster verstehen. Kalte Hände können zwei völlig gegensätzliche Ursachen haben und erfordern daher gänzlich unterschiedliche Behandlungsansätze.