Wei Qi ist nach Traditioneller Chinesischer Medizin das Abwehr-Qi – die Schutzenergie des Körpers, die an der Oberfläche zirkuliert und den Körper vor äußeren pathogenen Faktoren schützt. Im westlichen Verständnis entspricht Wei Qi ungefähr dem Immunsystem, doch das TCM-Konzept ist subtiler und ganzheitlicher.
Ein starkes Wei Qi ist das Fundament der Gesundheit und Resistenz gegen Infektionen.
Was ist Wei Qi?
Wei Qi ist nach TCM-Verständnis:
● Die schnelle, dynamische Schutzenergie, die an der Körperoberfläche, unter der Haut zirkuliert
● Ein Aspekt des Lungen-Qi, das hauptverantwortlich für das Verteilen des Wei Qi ist
● Die erste Verteidigungslinie des Körpers gegen „pathogene Faktoren“ wie Wind, Kälte, Hitze und infektiöse Erreger
● Ein energetisches Schutzschild, das durch die Oberfläche fließt und die Schutzfunktion wahrnimmt
Anders als das Nähr-Qi (Ying-Qi), das sich im Inneren des Körpers bewegt, zirkuliert Wei Qi rasch an der Oberfläche und ist in ständiger Bewegung.
Die Entstehung von Wei Qi
Wei Qi wird aus zwei Quellen produziert:
1. Das angeborene Qi (Yuan Qi – Nieren-Qi):
Diese tiefe Essenz wird von den Eltern geerbt und wird in den Nieren gespeichert. Sie bildet die konstitutionelle Stärke und genetische Veranlagung für ein starkes Immunsystem.
2. Das erworbene Qi (Gu Qi – Ernährungs-Qi):
Dieses Qi wird täglich durch gute Verdauung aus der aufgenommenen Nahrung produziert. Ein starkes Magen-Milz-System ist daher essentiell für die tägliche Produktion von Wei Qi.
Das Wei Qi ist also nicht „gegeben“, sondern wird täglich durch die Qualität der Ernährung und Verdauung gepflegt.
Der Aufbau: Die drei Schutzschichten
Nach der erweiterten TCM-Lehre gibt es vier Schutzschichten, die den Körper vor Pathogenen schützen:
● Wei-Schicht (Oberflächenschicht):
Das Abwehr-Qi zirkuliert an der Körperoberfläche
Erste Reaktion auf Pathogene: Schnupfen, Husten, Halsschmerzen
Relativ leicht zu behandeln, wenn frühzeitig erkannt
● Qi-Schicht (Energie-Schicht):
Das pathogene Qi dringt tiefer ein
Symptome werden intensiver: höheres Fieber, stärkerer Husten
Erfordert ernstere Intervention
● Ying-Schicht (Nährstoff-Schicht):
Das pathogene Qi hat sich noch tiefer verankert
Der Körper zeigt systematische Symptome: Nachtschweiß, trockene Schleimhäute
Die Krankheit wird chronisch
● Xue-Schicht (Blut-Schicht):
Das pathogene Qi hat das Blut erreicht
Schwerwiegende Infektionen und chronische Krankheiten
Sehr schwer zu behandeln
Daher ist Prävention und frühe Intervention auf der Wei-Ebene essentiell.
Was schwächt das Wei Qi?
Nach TCM-Verständnis wird Wei Qi geschwächt durch:
● Ernährungs- und Verdauungsfaktoren:
Schlechte Ernährung, zu viele kalte/rohe Speisen
Schwache Milz- und Magen-Funktion
Unzureichende Nahrungsqualität oder Nährstoffmangel
● Lifestyle-Faktoren:
Chronischer Stress und Überanstrengung (verbraucht Qi)
Schlafmangel (Qi wird nicht regeneriert)
Zu viel Zeit in Klimaanlagen oder feuchter Umgebung
● Emotionale Faktoren:
Chronische Angst (schwächt Nieren-Qi)
Unterdrückte Emotionen (blockieren Leber-Qi und damit Wei Qi)
Mangel an Sinn und Lebensfreude
● Konstitutionelle Faktoren:
Ein angeborenes schwaches Nieren-Qi (genetische Veranlagung)
Frühere schwere Erkrankungen
Alter (Wei Qi schwächt mit zunehmendem Alter)
Was stärkt das Wei Qi?
Um das Wei Qi nach TCM-Ansicht zu stärken, werden empfohlen:
● Ernährung:
Regelmäßige, warme Mahlzeiten – besonders morgens und mittags
Gekochte Speisen statt Rohkost – leichter zu verdauen
Hochwertige Nährstoffe: Qualitäts-Protein, Mineralien, Vitamine
Brühen und Suppen – nährreich und verdaulich
Schwarze, stärkende Lebensmittel: Schwarze Bohnen, schwarzer Sesam
Jahreszeitliche, regionale Lebensmittel – in Harmonie mit der Natur
● Vermeidungen:
Kalte Speisen und Getränke (besonders eiskalt!)
Zu viel Kaffee (trocknet das System aus)
Zu viel Zucker (schwächt Milz-Qi)
Verarbeitete Lebensmittel
● Lebensstil:
Ausreichender Schlaf – mindestens 7-8 Stunden, besonders früher Schlaf
Regelmäßige, moderate Bewegung – nicht Übertreibung, aber auch nicht Untätigkeit
Stressabbau – Achtsamkeit, Meditation
Emotionale Verarbeitung – statt Unterdrückung
● Timing nach der Organuhr:
7–9 Uhr (Magen): Warmes Frühstück
17–19 Uhr (Nieren): Ruhe und Entspannung
21–23 Uhr: Schlafvorbereitung
23–1 Uhr + 1–3 Uhr: Im Tiefschlaf – essentiell für Regeneration
● Körperliche Maßnahmen:
Moxibustion (Wärmetherapie mit Beifuß-Kraut) – besonders auf Magen- und Nierenpunkten
Akupunktur auf Punkten wie ST 36 (Zusanli), LI 4 (Hegu), LU 7 (Lieque)
Massage zur Förderung der Durchblutung und Qi-Zirkulation
Qi Gong und Tai Chi – sanfte Praktiken zur Stärkung des Qichimed-augsburg
● Emotionale und spirituelle Pflege:
Kultivieren von innerer Freude – echte Freude stärkt das System
Sinnvolle Arbeit und Beziehungen – Lebensfreude nährt das Wei Qi
Dankbarkeit und Positivity – stärken Herz und Immunfunktion
Abbau von Angst und Negativität – diese schwächen das Wei Qi dramatisch
Das Konzept der Prävention
In der TCM ist Prävention wichtiger als Heilung. Das Wei Qi stärken BEVOR man krank wird, ist die ideale Strategie:
● Kleine, konsequente Änderungen im Lebensstil haben große Auswirkungen
● Ein starkes Wei Qi bedeutet, dass man seltener krank wird, aber auch schneller genest
● Die beste Zeit, das Wei Qi zu stärken, ist VOR der Erkältungs- und Grippesaison
Wei Qi und die moderne Welt
● In der modernen Welt sind viele Faktoren Wei-Qi-schwächend:
● Künstliche Hitze in Winter (Heizung)
● Künstliche Kälte in Sommer (Klimaanlage)
● Ständige Erreichbarkeit (Stress)
● Verarbeitete Lebensmittel
● Sitzende Lebensweise
Umso wichtiger ist es, bewusst Maßnahmen zu ergreifen, um Wei Qi zu stärken.
Fazit
Wei Qi ist nach TCM-Verständnis die Grundlage der Gesundheit und Resistenz. Ein starkes, zirkulierendes Wei Qi ist das Resultat von guter Ernährung, ausreichend Schlaf, regelmäßiger Bewegung, emotionaler Balance und Lebensfreude. Durch bewusstes Pflegen des Wei Qi durch alle Lebensbereiche – von der Ernährung bis zur Emotionalen Gesundheit – kann jeder Mensch seine natürliche Schutzfähigkeit optimieren und seine Anfälligkeit für Krankheiten reduzieren.
